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Abriss der Geschichte des ESC Halle 04 „Saale Bulls“
Jagten zu DDR-Zeiten noch die Kufencracks vom BSG Aufbau Halle dem Puck hinterher, war der Eishockeysport nach der politischen Wende (und der Wiedereröffnung der EissportHalle 1998) zuerst beim Universitätssportverein (USV) Halle, anschließend beim ESC Halle angesiedelt. Nach der Saison 2003/04 drohte nach nur wenigen, überaus erfolgreichen Eishockeyjahren (man stieg über die Landes- und Sachsen- bis hin zur Regionalliga auf und wurde 2003/04 dort sogar Meister) schon wieder das Aus für den Kufensport in der Händelstadt – der ESC Halle musste Insolvenz anmelden, sein Nachfolgeverein ESC Halle 04 wurde mit neuer Führungsriege gegründet.
Saison 2004/2005 - Regionalliga Ost
Von den insolventen Saaleteufeln konnte der Großteil der Spieler weiterhin in Halle gehalten werden, genau wie die Weiterverpflichtung des letztjährigen erfolgreichen Trainerduos Stastny/Liebetrau eine reine Formalie war. So ging man in der Saison 2004/05 und konnte am Ende erfolgreich den Meistertitel in der Regionalliga Ost verteidigen. Um ein Haar hätte man auch gleich im ersten Jahr der Vereinsgeschichte den parallel zur Meisterschaft ausgespielten Pokalsieg an die Saale geholt – doch ausgerechnet die beiden Finalpartien gegen den sowohl vorher als auch nachher immer geschlagenen EC Wilhelmshaven gingen deutlich mit 1:7 bzw. 2:7 verloren. In der nach der Meisterschaft ausgetragenen Oberliga-Aufstiegsrunde mit den Vertretern der Regionalliga NRW belegte der ESC Halle 04 hinter den Ratinger Ice Aliens einen respektablen 2.Platz und verpasste somit die sportliche Qualifikation für die dritte deutsche Spielklasse.
Trainer: Jaroslav Stastny Kontingentspieler: Milan Kubis, David Vorel, Martin Maskarinec (alle CZE) Top 3-Scorer: Milan Kubis, Georgi Kimstatsch, Pavel Richter
Saison 2005/2006 - Regionalliga Nord/Ost
Das Erreichen der Oberliga war auch in der Saison 2005/06 in der Regionalliga Nord/Ost das gesteckte Ziel. Doch im entscheidenden Play-off-Halbfinalspiel vor heimischer Kulisse gegen den Rostocker EC mussten die Bulls eine der bis heute bittersten Niederlagen hinnehmen – die Piranhas drehten innerhalb von nur 84 Sekunden im letzten Drittel einen 0:3-Rückstand und erzwangen somit das Shoot-out, welches sie für sich entscheiden konnten.
Trainer: Jaroslav Stastny Kontingentspieler: Martin Miklik, Jozef Malicek (beide SVK), Martin Maskarinec (CZE) Top 3-Scorer: Martin Miklik, Petr Hruby, Jedrzei Kasperczyk
Saison 2006/2007 - Regionalliga Nord/Ost
Unmittelbar nach dem Ende der vergangenen Saison trat Jaroslav Stastny an den Vorstand mit der Bitte heran, seinen erst kürzlich verlängerten Vertrag auflösen zu können, da sich ihm in Crimmitschau die Möglichkeit bot, als hauptverantwortlicher Cheftrainer für den Nachwuchs zu agieren. Die Verantwortlichen wollten ihrem langjährigen Erfolgscoach diese Chance nicht verbauen und ihm keine Steine in den Weg legen – so kamen sie schweren Herzens seinem Wunsch nach und mussten zur Saison 2006/07 einen neuen Trainer finden. Mit Hans Rothkirch (zweifacher deutscher Meister als Spieler mit den Kölner Haien) an der Bande, starteten die Saale Bulls in die Saison 2006/07, in der erneut die Qualifikation für die Oberliga im Vordergrund angepeilt wurde. Allerdings stimmte augenscheinlich von Anfang an die Chemie zwischen Trainer und Mannschaft zu keinem Zeitpunkt und nach einem schwachen Saison-Start griffen die Mechanismen des Sports auch beim ESC Halle 04 e.V.: Der gebürtige Bad Tölzer Rothkirch musste nach nur 17 Spielen seine Koffer packen und wurde durch den Tschechen Ivan Horak ersetzt – ein Trainerwechsel, der sich bezahlt machen sollte. Die Saale Bulls konnten peu à peu in der Tabelle wieder Boden gut machen und sicherten sich schlussendlich mit einem 15:3-Auswärtssieg gegen die SG Niesky/Weißwasser den vierten Platz und damit die verbundene sportliche Qualifikation für den Aufstieg in die Oberliga.
Trainer: Hans Rothkirch, Ivan Horak Kontingentspieler: Martin Miklik, Michal Dostal (beide SVK), Robert Vavroch (CZE), Martin Maskarinec (CZE, stand-by), Tomas Kramny (CZE, Vertragsauflösung vor Punktspielstart), Tom O’Grady (IRE-CAN, nach nur 14 Partien verletzungsbedingt bis Saisonende ausgefallen) Top 3-Scorer: Martin Miklik, Georgi Kimstatsch, Jedzei Kasperczyk
Saison 2007/2008 - Oberliga
Nach der wirtschaftlichen Prüfung aller eingereichten Unterlagen wurde seitens der ESBG grünes Licht gegeben und die Saale Bulls konnten in der Saison 2007/08 erstmals in der Oberliga antreten. Dort stand der Klassenerhalt an erster Stelle, welchen man letztendlich in den Play-down-Partien gegen den EHC Thüringen auch unter Dach und Fach bringen konnte. Doch die Premierensaison hatte aus hallescher Sicht mehr zu bieten als nur den „puren Kampf“ gegen den Abstieg. Gerade vor heimischer Kulisse waren die Saale Bulls immer wieder für eine faustdicke Überraschung gut. Schon beim ersten Oberligaauftritt am Gimritzer Damm gelang der erste Sieg – kein Geringerer als der EHC Freiburg wurde in der Verlängerung mit 6:5 geschlagen. Auch DIE Oberligamannschaft 2007/08 spürte die Heimstärke des ESC Halle 04 – der EC Bad Tölz wurde mit 3:0 nach Hause geschickt. Unvergessen auch die Partie gegen den 1.EV Weiden, als man mit 2:6 ins letzte Drittel ging. Doch innerhalb von sechs Minuten gelang nach einer furiosen Aufholjagd noch der Ausgleich, so dass die Entscheidung in der Verlängerung gesucht werden musste – kurz nach Beginn der weiteren fünf Minuten konnten die Saale Bulls dann den kaum noch für möglich gehaltenen Siegtreffer für sich verbuchen. Doch im Laufe der Spielzeit wechselten sich solche Überraschungssiege allzu oft mit vermeidbaren Niederlagen oder aber mit herben „Klatschen“ ab, so dass Ivan Horak zur Saisonmitte durch den Kanadier Robert Torgler an der Bande abgelöst wurde. Doch wie bereits bei Hans Rothkirch eine Spielzeit zuvor, zeichnete sich recht früh sehr deutlich ab, dass auch hier die Chemie zwischen Übungsleiter und Mannschaft nicht stimmte. Doch dass gemeinsame Ziel des Klassenerhaltes stand über allem und wurde letztendlich auch gemeinsam erreicht – damit war auch für Torgler die Zeit an der Saale vorbei.
Trainer: Ivan Horak, Robert Torgler Kontingentspieler: Martin Miklik (SVK), Milan Kubis, Robert Vavroch, Ales Dvorak, Lukas Zatopek (alle CZE) Top 3-Scorer: Martin Miklik, Robert Vavroch, Benjamin Thiede
Saison 2008/2009 - Oberliga
Neuer (alter) Trainer, neues Glück ? Nachdem schon zu Ende der abgelaufenen Saison feststand, dass man nicht mit Robert Torgler in die Oberliga-Saison 2008/09 starten würde, präsentierten die Verantwortlichen einen alten Bekannten: Jaroslav Stastny wurde erneut Chefcoach der Saale Bulls und wollte an seine Erfolge in der Saalestadt anknüpfen. Damals konnte noch niemand ahnen, dass bis zum Saisonende vier verschiedene Trainer auf den Spielberichtsbögen auftauchten würden. Der ESC Halle 04 wollte von Anfang an nichts mit dem Abstieg zu tun haben und sich im Mittelfeld der Tabelle etablieren. Doch durch eine „7-Niederlagen-Serie“ zum Saisonstart (allesamt nach eigener 1:0-Führung) fand man sich frühzeitig im Tabellenkeller wieder und bemühte sich verzweifelt, Spieltag für Spieltag wieder Boden bzw. Punkte gutzumachen. Es wurde frühzeitig deutlich, dass der Kredit von Stastny schnell aufgebraucht war, all seine Bemühungen nicht fruchteten und sich die Saale Bulls – gemessen am Kader – weit unter Wert verkauften. Die Entlassung von Jaroslav Stastny war nur noch eine Frage der Zeit und Anfang Dezember war es dann soweit: Der langjährige Co-Trainer Uwe „Schlappi“ Liebetrau wurde befördert und sollte die Bulls wieder in ruhigere Fahrwasser führen. Dass dies kein leichtes Unterfangen werden würde, zeigten alleine schon die ersten Gegner nach seiner Beförderung: Bad Nauheim, Leipzig, Herne und zweimal Hannover hießen die ersten Gradmesser. Angesichts der Leistungsstärke dieser Kontrahenten war es nicht verwunderlich, dass am Ende lediglich 2 Punkte zu Buche standen. Nach diesen Partien musste Liebetrau dem Stress als Chefcoach Tribut zollen und aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niederlegen und wieder in die „zweite Reihe“ zurücktreten. Bis zur Präsentation eines neuen Cheftrainers sprang der sportliche Leiter Andreas Werkling in die Bresche und trat für eine Partie als hauptverantwortlicher Übungsleiter der Saale Bulls in Erscheinung. Im Januar 2009 wurde dann der Öffentlichkeit der neue Chefcoach präsentiert – und mit Jiri Otoupalik kehrte die Tradition der erfolgeichen tschechischen Trainer zurück an den Gimritzer Damm. Nach wenigen Spielen wurde die Handschrift des neuen Übungsleiters immer deutlicher und die Bulls eilten von Sieg zu Sieg. Am Ende einer aufregenden und durchwachsenen Saison, in der man erstmals auf Kontingentspieler aus dem Norden zurückgriff, stand der sportliche Verbleib in der Oberliga und die Frage, wie es in der nächsten Saison weitergeht.
Trainer: Jaroslav Stastny, Uwe Liebetrau, Andreas Werkling, Jiri Otoupalik Kontingentspieler: Martin Miklik (SVK), Jan Fadrny (CZE), Miikka Jäske, Janne Kujala, Janne Ruohola (alle FIN), Fredrik Persson (SWE, kehrte nach 8 Punktspielen zurück nach Schweden) Top 3-Scorer: Janne Kujala, Miikka Jäske, Jan Fadrny
Saison 2009/2010 - Regionalliga Ost
Aus der offiziellen Pressemitteilung des ESC Halle 04 e.V. zur Saison 2009/10: „In der Spielzeit 2009/2010 wird nach reiflicher Überlegung und der wohl bislang schwierigsten Entscheidung in der Geschichte der ESC Halle 04 e.V. der Club am Spielbetrieb der Regionalliga Ost teilnehmen.
Der Vorstand des ESC Halle 04 sieht sich hier seinen Mitgliedern, der inzwischen gut aufgestellten Nachwuchsabteilung, seinen Sponsoren und auch den Fans gegenüber in der Verantwortung, einen soliden und besonnen Kurs des Vereines zu führen, um auch in Zukunft Eishockey in Halle gewährleisten zu können.
In der angedachten Oberliga Nord standen nach dem Verzicht der Eisbären Juniors Berlin lediglich 4 weitere Vereine bereit, in einer zweigeteilten Liga am Spielbetrieb teilzunehmen. Eine dadurch bedingte 4-fach-Runde wäre den Fans und Zuschauern nur schwer vermittelbar und könnte sich über die gesamte Saison betrachtet auch negativ auf die Zuschauerzahlen auswirken. Gerade die Heimspiele der vergangenen Saison zeigten, dass ein regionaler Bezug zu den Mannschaften der Oberliga-Staffel-Süd nicht gegeben ist und ein derartiger Modus auch unter den Oberliga-Nord-Vereinen wirtschaftlich nicht tragbar sein kann. Zudem wurden sogar die Playoffs noch gegen die Mitglieder der eigenen Staffel gespielt.
Da es keinen Absteiger aus der 2.Bundesliga gab, diente die Oberliga auch wieder nur als Auffüllliga für die Bundesliga. Das Ergebnis ist die fortlaufende Ausdünnung und Schwächung die Oberliga. Das zudem mangelnde Entgegenkommen der ESBG gegenüber den Vereinen der Oberliga, die hohen Schiedsrichtergebühren (höher als die Reisekosten – beim ESC), die Abgaben in den Reindlpool und die hohen Verbandsabgaben, bewegen den ESC Halle 04 e.V. zum freiwilligen Rückzug aus der Oberliga und zum Start in der Regionalliga Ost.
Der ESC Halle 04 sieht den Verzicht auf die Oberliga-Teilnahme nicht als einen sportlichen Rückschritt, sondern vielmehr als einen „Schritt zur Seite“. Es soll ein Um- bzw. Überdenken bezüglich der aktuell im deutschen Eishockey vorherrschenden Bedingungen vorangetrieben werden, um in naher Zukunft dauerhafte bzw. längerfristige Bedingungen im Unterbau des DEB vorzufinden.
Aus diesem Grund betrachten die Saale Bulls die kommende Saison auch als Zwischen- und nicht als Dauerlösung, die seitens der Sponsoren, den sportlich Verantwortlichen und vor allem des Fanbeirates, der über die Entwicklung und Entscheidungsfindung informiert ist, in vollem Umfang mitgetragen wird. An dieser Stelle der ausdrückliche Dank an den Fanbeirat des ESC Halle 04 e.V., der mit seiner Unterstützung den Verein und das Eishockey in Halle stärkt.“
Am Ende dieser „Zwischensaison“ standen die Saale Bulls beim Kampf um die Meisterschaft auf dem zweiten Platz und mussten lediglich den Blue Lions aus Leipzig den Vortritt lassen. Auch in der liga-übergreifenden Pokalrunde standen sich am Ende die Bulls und die Lions im Finale gegenüber, wo sich der ESC Halle 04 e.V. nach einem 2:1-Auswärtssieg in einem spektakulären Eishockeykrimi vor heimischem Publikum mit einem 4:4-Remis den Pokalsieg sichern konnte. So packend die sportlichen Duelle gegen den Nachbarn auch waren – das Ende in der Messestadt ist bekannt.
Trainer: Jiri Otoupalik Kontingentspieler: Jan Fadrny, Tomas Burian (beide CZE), Martin Miklik (erhielt im Saisonverlauf den deutschen Pass) Top 3-Scorer: Jan Fadrny, Jedrzei Kasperczyk, Martin Miklik
letztes Update: 02.08.2010 (Jy)
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